Comicband: Kauboi und Kaktus 1 – Verreckte Hund’

Herausgeber: Mondfähre Designbüro
Autor: Christian Schmiedbauer
Format: 21 x 22cm, 52 Seiten, Softcover
Papier: Munken Pure

Beschreibung des Autors

Am Flussufer des Lechs ließ ich an einem heißen Sommertag im Jahr 2001 mehrere Knochenmännchen mit Hilfe einer Zeichenfeder über ein Stück Papier tanzen. Einem Skelett verpasste ich einen Hut, der aussah wie eine liegende 8 – das Symbol für Unendlichkeit. Die Kopfbedeckung erinnerte mich an einen Cowboyhut mit hoch stehenden Krempen. Und weil Cowboys in der Prärie leben, zeichnete ich daneben einen Wüstenkaktus. Denn auch ein Knochenmann braucht einen Freund.

Kauboi und Kaktus waren mein Hauptgewinn – beim Radio-Gewinnspiel “Wünsch dir, was du willst” des Senders Rock Antenne. Jeder Hörer durfte dem Radioteam seinen Herzenswunsch zukommen lassen. Ein Rocker wünschte sich z. B. die Reparatur seines Motorrades, eine alleinerziehende Mutter einen Traumurlaub mit ihren Kindern und ich wünschte mir den Druck von 1.000 Exemplaren meines Comics. Am dritten Tag des Gewinnspiels wurde tatsächlich mein Comicwunsch live im Radio aufgerufen und ich sollte innerhalb einer Minute anrufen. Ich war so aufgeregt, dass ich mich verwählte und versehentlich bei der Hotline von “Vileda Wischmop” gelandet war. Beim Zweiten Versuch hatte es aber geklappt, und Kauboi und Kaktus kamen einige Zeit später in Heftform auf die Welt.

Rezension von Thomas von Steinaecker

Der Beginn der Freundschaft des Kaubois mit dem Kaktus bestimmt den Ton des gesamten Hefts: Der Kauboi wirft ein Lasso und zieht den Kaktus herbei, der ihn davor warnt, ihm nicht die Hand zu reichen, da er steche. Der Kauboi zuckt mit den Achseln: “Den Kauboi sticht niemand. Seine Hand hat kein Fleisch. Nur Knochen. Kein Schmerz.” Fröhlich, dass sie beide nicht mehr allein sein müssen, sitzen sie dann am Lagerfeuer zusammen und halten bei ihren Abenteuern in der Wüste, die an eine zweidimensionale Version von Herrimans “Coconut County” erinnert, zusammen wie Pech und Schwefel: So, wenn sie den durch die Lüfte wirbelnden Geistreitern, Skorpionen oder dem Teufel begegnen. Zumeist treffen sie aber auf einsame Gestalten mit einem weichen Herz, die sich wie sie nach Gesellschaft sehnen: Gully, die Windsau, oder den einsamen Wolf.

Allen Zeichnungen gemein ist aber eine große Wärme, die von dem bei den Figuren spürbaren Wunsch rührt, nicht allein zu sein – richtiggehend tragische Züge erhält das kleine Heft dann, wenn der Kauboi den Kaktus tatsächlich verlässt und der stumm weinend in der Wüste sitzt.”